Manganerzrevier Oehrenstock

Das Manganerzrevier Oehrenstock bezieht sich meist auf die vielen kleinen baum- und buschbewachsenen Haldenzüge entlang der Feldergrenzen.


Haldensituation im Grubenfeld "Das Erste Glück"

Jedoch sollte man wissen, dass es da noch viel mehr Fundstellen gab. Größte Berühmtheit erlangte wohl der Tragberg, wo dort der Hausmannit in 1-2 Zoll großen Kristallen vor kam.


                     

Heute kann der ortskundige Sammler lediglich die ehemaligen verbrochenen Stolleneingänge noch erkennen, von Halde aber schon über ein Jh. keine Spur mehr. Viele grenzen das Gebiet ein: im Norden die Schorte, im Osten der Oehre-Bach, im Westen das Wildtal und im Süden der Ortsrand von Oehrenstock. Das ist im Großen und Ganzen auch fast richtig, mal abgesehen von den kleinen Abbauen am Tragberg, Thiebentalskopf und im Schortetal.

Auszug aus einer Wanderkarte um das Jahr 1900

Die ersten Abbaue auf Manganerz wurden wohl schon im 17. Jh. getätigt. Dies geschah meist, analog zum Arlesberger Revier, anfangs in den Wintermonaten. Frühjahr bis Herbst hatten sie ja ihre Landwirtschaft zu betreiben und im Winter bot der Bergbau einen gewissen Zuverdienst. Jedoch kann auch hier davon ausgegangen werden, dass im 15. und 16. Jh. die Venezianer, oder Venedigermandln, oder Walen, alles bezieht sich auf die gleichen Besucher, auf der Suche nach dem begehrtem Pyrolusit für die Glashütten in Murano/Venedig waren. Für das Arlesberger Revier ist das etwas besser belegt in alten historischen Schriften, aber so weit liegen die Gebiete ja nicht aus einander, so dass die Anwesenheit von Venezianern auch in diesem Gebiet als sehr wahrscheinlich gilt.
Da die Gänge alle nach Übertrage ausstrichen, machte sich das Auffinden und Nachgehen der Gänge einfach. Anfangs in kleinen Tagebauen, später dann in kleinen Schächten baute man das Erz ab, bis entweder der Ertrag nachließ, sprich der Gang vertaubte, oder das Wasser kam. Um dem Wasser Herr zu werden, wurde im Oehretal dann ein Lösungsstollen gegraben, und die Grube so entwässert. Dies was allerdings nicht auf allen Gruben im Revier möglich, jedenfalls in der Anfangszeit. Später wurden ins Freie gefallene Grubenfelder von anderen, kapitalstärkeren Grubenbesitzern (selbst der damalige Bürgermeister der Stadt Ilmenau - Kuhlow - hatte hier Gruben) aufgekauft und größere Gewerkschaften gebildet. Die wohl bekannteste Gewerkschaft war die Gewerkschaft Luthersteufe. Heute noch steht das alte Zechenhaus, jetzt Wohnhaus, im Schortetal. Schon in den siebziger Jahren ist durch den damals ansässigen Herrn Moritz (leider verstorben) ein kleines Bergbaumuseum entstanden, welches er der Öffentlichkeit gerne präsentierte. Die Nachfolge hat sein Sohn übernommen. Hier kann man sehr viel über die Bergbaugeschichte des Reviers erfahren. 


                                                            

Im Frühjahr 2014 ist dieses kleine Museum leider wegen Baufälligkeit abgerissen wurden.
Heute sind alle Schächte verfüllt und durch landwirtschaftliche Tätigkeit überackert. Die Halden wurden in den 70'er Jahren abgetragen, wobei sich sehr gute Funde ergaben. Nur sehr selten kann man im Frühjahr nach der Schneeschmelze noch fündig werden. Hier ein Beispiel, Pyrolusit in 2,5cm langen Strahlen, danke Hansi für die Stufe! 


Die beibrechenden Minerale beim Abbau waren hauptsächlich Baryt und Calcit. Calcit wurde in den oberen Teufen gerne von Pyrolusit ersetzt - schon Haidinger hat solch eine Pseudo beschrieben. Aber auch der Baryt konnte frei auskristallisieren. Eine sehr seltene Beobachtung, Baryt konnte auch den Calcit ersetzen. 

                 

Pseudomorphose von Baryt nach Calcit und Baytkristalle vom Grubenfeld "Kuhlows Hoffnung"

Überhaupt sind Pseudomorphosen in Oehrenstock nicht selten. Hier mal eine Pseudo von Braunit nach Pyrolusit.


Anfangs wurden nur die Weichmanganerze abgebaut. Später, mit der Stahlveredlung, gewannen die bis dahin auf Halde geworfenen Hartmangane an Bedeutung. Diese fanden sich oft in schönen glaskopfartigen Ausbildungen.

Hartmanganerz, Grubenfeld "Kuhlows Hoffnung"

Aber auch die so bekannten Braunite sollen hier in dem Artikel nicht fehlen. 

                

Braunitkristalle vom Grubenfeld "Segen des Herrn"

Hier mal ein Ausschnitt aus der topographischen Karte 1:25000 Blatt Ilmenau mit dem Oehrenstöcker Revier.


Wie gesagt, sind die meisten Halden abgetragen, nur noch ein paar Relikte erinnern an das so weltbekannte Revier. Ein Bild der Halde Ludendorff.