Kamsdorfer Revier
Geschichtliches
Der Bergbau in der Umgebung von Saalfeld/Kamsdorf liegt schon sehr lange zurück. Bereits in der Bronzezeit, ca. um 1500 v.u.Z. wurden in diesem Gebiet oberflächennahe Kupfererze für die Bronzeherstellung abgebaut. Somit zählte dieses Revier mit zu den bedeutendsten Versorgungszentren für Kupfer nördlich der Alpen. Auch der Abbau von Brauneisen ist im Kamsdorfer Revier schon in prähistorischer Zeit nachweisbar, jedoch nicht mit dieser großen Bedeutung, wie die Kupfererze.
Eine zweite Phase des Bergbaus begann im hohen Mittelalter (Silbergewinnung). Als das Silber als Münzmetall an Bedeutung gewann, wurden auch hier die Silbererze gewonnen. Jedoch bereits um 1350 ist dieser Bergbau  wieder rückläufig, da auf Grund von Krankheiten ein großer Bevölkerungsschwund zu verzeichnen war, und somit zum Einen die reichen Silbererze abgebaut waren und zum Anderen der Silberbedarf sich verringerte.
Erst um das Jahr 1440 ist wieder ein Bergmeister in Saalfeld nachweisbar, und alte Grubengebäude wurden neu auf gewältigt. Durch Bergbefreiungen ist ein Wiederaufschwung des Bergbaus in diesen Zeiten  ersichtlich, und es wurde im Jahre 1513 in Saalfeld ein Bergmeister fest angestellt und somit das älteste Thüringer Bergamt gegründet.
Da im 15. Jh. das Saigerverfahren erfunden wurde, konnten jetzt auch die im Kupfererz (Fahlerze) befindlichen Silberanteile gewonnen werden, und so münzfähiges Silber erzeugt werden.  Somit begann eine unverzügliche Suche nach Tetraedrit und Tennantit im Mutterflöz des Zechsteinkalkes.
Auf Grund der territorialen Zersplitterung dieses Gebietes kam es zu zahlreichen Streitigkeiten und auch nachteiligen Entwicklungen im Montanwesen. Die Hauptblütezeit des Silberbergbaus war von 1540 – 1574.
Der Eisenerzbergbau war zu diesen Zeiten kaum in Erscheinung getreten. Die nennenswerten Eisensteinvorkommen mehr oder weniger östlich von Kleinkamsdorf. Aber er hat den Bergbau um Kamsdorf geprägt. Jedoch bis zum 30-jährigen Krieg standen die Eisenabbaue den Silber-, Kupfer- und Kobalterzen weit hinten an.  Die Eisenhütten in den Tälern des Thüringer Waldes verwendeten vom 13. Jh. an zuerst die eigenen hochwertigen Roteisenerze aus der Umgebung. Erst nach Erschöpfung der Lagerstätten besann man sich auf die Eisenerzmittel um Kamsdorf. Zwischenzeitlich legte der Dreißigjährige Krieg den Bergbau und die Eisenindustrie völlig lahm. Nach sehr langsamem Wiederaufschwung der eisenverarbeitenden Industrie  wurden von Kamsdorf aus bis etwa 1865 Eisensteine mit Pferdefuhrwerken  in den Thüringer Wald, bis nach Suhl geliefert. Auch wurde durch Entwicklung neuer Hochofenprozesse das Kamsdorfer Eisenerz immer beliebter, da es sich für die  neuen Schmelzverfahren optimal eignete. Für die neuen Schmelzverfahren benötigte man Eisenerze mit einem sehr niedrigen bis keinen Phosphorgehalt und leichtem Schmelzverhalten.  Der Kamsdorfer Eisenstein bot dies auf das vorzüglichste.
Aber selbst noch im Jahre 1865 liegt der Eisensteinabbau in seiner Gewinnbilanz noch hinter dem Kupferabbau auf Platz zwei zurück.  Dieses sollte sich aber rasch ändern.  Mit Zusammenführen von kleineren Grubenfeldern zu größeren Gewerkschaften nahm der auf fast 400000 t reichende errechnete Eisensteinvorrat alleine im Bereich des Himmelfahrt-Gangzuges einen sehr raschen Aufschwung. Auch hatte die Industrierevolution aus England kommend sich sehr rasch auf Deutschland ausgebreitet, und die Eisenindustrie nahm eine fast schon revolutionäre Entwicklung ein.  Bereits 1869 kaufte die Eisengewerkschaft Maximilianshütte die Grubenfelder der vereinigten Reviere Kamsdorf auf, und konnte so die sächsische Königin-Marien-Hütte in Cainsdorf bei Zwickau als Mitkonkurrent um die Reviere aus dem Rennen schlagen.  1871 wurde beschlossen, in Unterwellenborn ein neues Werk zur Erzeugung von Guss- und Roheisen zu schaffen. 1873 floss in Unterwellenborn das erste aus Kamsdorfer Eisenstein erzeugte Roheisen, hergestellt im Bessemer-Verfahren. 


alte Bessemerbirne

Die Maxhütte Unterwellenborn war entstanden, und sollte von da an rasch wachsen. Besonders die Produktion von Eisenbahnschienen stand an erster Stelle. Uns somit wurden hier viele Bahnschienen für den Mitteldeutschen Raum erzeugt. Neue Schächte wurden geteuft, Frommschacht, Maffeischacht usw. 

heutige Reste des Frommschacht

1882 wurde eine Erzbahn gebaut, und der bis dahin erfolgte Transport mittels Pferdewerken konnte entfallen. Nun waren die Schächte direkt mit dem Stahlwerk verbunden.
Mit Einführung des Thomas-Verfahrens beim Schmelzprozeß des Eisenerzes konnten nun auch die phosphorreichen Eisenerze erschmolzen werden. Die Eisenerzlager um Schmiedefeld, welche sehr phosphorreich waren sicherten die Stahlproduktion ab, während die berühmte Spiegeleisenproduktion weiter im Bessemer-Verfahren aus Kamsdorfer Eisenstein erfolgte.
Nun hatten die Kamsdorfer Gruben die Aufgabe für die Erschmelzung der Schmiedefelder Erze die eisenreichen Zuschlagkalke zu liefern, und behielten somit ihre Existenzberechtigung.  Mit Ausbruch des zweiten Weltkrieges gerieten auch die Kamsdorfer Gruben in das Interesse der Nazis. Sie brachten im Ersatzschacht 04 die Triebwerksproduktion für die Messerschmidt unter. Ein sehr unrühmliches Kapitel im Kamsdorfer Bergbau.
Nach dem Krieg wurde die Maxhütte enteignet und unter Volkseigentum gestellt.


Nun begann das Zeitalter der Tagebautechnik, welche in der Anlegung des Großtagebaus Kamsdorf seinen Höhepunkt finden sollte. Jedoch sollte man wissen, dass in den 1920´ger Jahren bereits ein Tagebau  in der Nähe des Ernstschachtes und in den 1930´ger Jahren die Tagebaue „Lindig“ und „Sommerleite“ entstanden. Die letzten beiden genannten Tagebaue blieben auch nach dem Krieg in Betrieb und lieferten bis zu ihrer Einstellung hochwertiges Braun II. In den 50´ger Jahren wurde dann der kleinere Tagebau „Walter Ulbricht“ angelegt, dem im Jahre 1963 der Großtagebau folgen sollte.

Großtagebauansicht 1997

Somit konnten alle Baufelder um Kamsdorf und Könitz, so jedenfalls die Vorstellung der Betriebsleitung, in Angriff genommen werden.
Da jedoch bereits 1968 hochwertige Importerze aus der SU in Eisenhüttenstatt und Unterwellenborn zum Einsatz kamen, und das Niederschachtofenwerk Calbe/Saale geschlossen wurde, verlor der eisenhaltige Zuschlagkalk immer mehr an Bedeutung in der Metallurgie. 

alte Hochofenanlage in Unterwellenborn

Somit kamen Überlegungen zu Stande, den Kalk als Düngemittel (Kamsdorfer Magnesiummergel) in der Land- und Forstwirtschaft ein zu setzen.  Aber auch als Schotter für Straßen- und Wegebau und als hochreaktiver Dolomit in der chemischen Industrie (Kalkammonsalpeterherstellung) waren Einsatzgebiete zu finden.  Mit der Einstellung des Hochofenprozesses in Unterwellenborn in den 1980´ger Jahren waren die oben aufgeführten Anwendungsgebiete die einzige, jedoch reichhaltige Produktionsgrundlage bis in sie Wende, 1990 und darüber hinaus.
Heute wird in Kamsdorf nur noch die als Liegendes unter dem Zechsteinkalk vorkommende Grauwacke abgebaut und als Schotter verarbeitet.

Grauwackeabbau im Großtagebau


Geologie und Mineralisation
Die vielfältige Mineralisation dieses Revieres ist dem Zechstein verdankt.  Damals bildeten sich in der Werra-Serie küstennah karbonatische Ablagerungen.  Über spätere Zerrungstektonik und damit einhergehenden Spaltenbildungen gelangten hydrothermale Lösungen  auf reaktionsfreudiges karbonatreiches Gestein. Dabei kam es zu einer Umbildung des Kalksteins zu Ankerit und Siderit. Es entstanden auf Grund der schichtartigen Ausbildung des Kalksteins  so genannte Erzflöze.  In Gangstrukturen konnten sich im Bereich des Schiefers Kupfer, Kobalt, Nickel und auch Silber als sulfidische Erze ausbilden. Auf Grund des Barriere wirkenden Schiefers konnten sich in Gangspalten große Mengen von Kupfererz auch in obere Horizonte des Zechsteins ablagern und somit sehr reichhaltige sulfidische Kupfererzgänge entstehen.

Ausschnitt eines angeschnittenen Tetraedritgang in Tagebau

Dieses Zusammenwirken der genannten Bedingungen verhalf dem Saalfeld-Kamsdorfer Revier zu großem Reichtum und einer sehr großen Mineralienvielfalt.  Über 70 verschiedene Mineralien wurden hier gefunden. Besonders die Sekundärmineralien sind sehr farbenfroh ausgebildet und zeigen anschaulich das Vorhandensein der verschiedenen Elemente.
Einige Bilder:

                     

Aragonit                                                                                                                                 Pyrit Tagebau


                

Galenit  Tagebau                                                                                                             Anglesit auf Dolomit Tagebau

       

Chalkopyritkristalle  Tagebau                                                                              Azurit auf Ziegelerz  Frommschacht   


    

                  gediegenKupfer auf Dolomit, Frommschacht                                                          Tetraedritkristalle, Himmelfahrt      

              Dolomit Frommschacht                                                                                                   Limonit Dinklerzeche       

        

beides Limonit, bunt angelaufen, Dinklerzeche


darf nicht fehlen, Pyrolusitkristalle Dinklerzeche

In den alten Grubenbauen entstanden reichhaltige Aragonitsinterbildungen, welche durch Lösung von verschiedenen Elementen (Kupfer, Nickel, Kobalt und Eisen) sehr farbenfroh erscheinen.

        

farbenfreudige, durch Kobalt rosa gefärbte Aragonitsinter, Frommschacht, unteres Lager


      
Eisensinter Eiserner Johannes                                                                                 Kupfersinter Frommschacht



Blick in einen alten Kupferabbau im Pfefferschacht