Braunsteinmühle in Arlesberg

                    

    Eine schöne Ansicht der Mühle im Winter

Kurzer geschichtlicher Abriss

Die erste urkundliche Erwähnung der Mühle betrifft das Jahr1855. Damals hat ein Herr Eduard Diemar den links auf dem Bild sichtbaren Teil der Mühle gekauft. Die Mühle muss also älter sein. Der im Bild zentral gelegene Teil der Mühle hat zu damaliger Zeit noch nicht gestanden. Der wurde erst Anfang des 20`sten Jahrhundert nachträglich angebaut, weil die Durchlassmenge der Mühle nicht mehr gereicht hat.
Das Antriebsmedium für die Mühle war damals das Wasser. Jeder, der schon einmal da gewesen ist, sagt sicher gleich: „Ja, klar. Die Zahme Gera fließt ja gleich daneben.“.  Aber Vorsicht. Wenn man den Flusslauf der Zahmen Gera bis zu ihrer Quelle folgt, dann findet man kein Wasserreservoir (Teich), welches in den heißen, trockenen Sommermonaten das Aufschlagwasser für das Wasserrad hätte spenden können. Was hat der Müller zu dieser Zeit dann gemacht? Nicht gearbeitet, wohl kaum. Aber es gibt noch einen Wasserlieferanten. Der kleine Bach Jüchnitz. Beide Gewässer fließen direkt bei der Mühle zusammen. Und wenn man dem Verlauf der Jüchnitz Richtung ihrer Quelle folgt, so kommt man nicht nur an drei anderen Standorten von ähnlichen Braunsteinmühlen/-aufbereitungsanlagen vorbei, sondern kommt an einem Teich, dem Jüchnitzteich, vorbei. Und dieser Teich wurde von den Bergleuten angelegt, damit in den heißen Sommermonaten immer genug Aufschlagwasser für die Wasserräder vorhanden war. Sicher wird der Müller der Diemarschen Mühle auch die Zahme Gera mit benutzt haben als Wasserquelle, aber bei Trockenheit bot nur die Jüchnitz genügend Aufschlagwasser.
Der Antrieb der damaligen Transmission erfolgte über ein unterschlächtig angetriebenes Wasserrad.

die Transmission

Unterschlächtig bedeutet: das Wasser treibt, oder besser schiebt die Radschaufeln von unten her an. Aber ein viel wirkungsvolleres oberschlächtiges Wasserrad war aus logistischen Gründen leiden nicht einsetzbar. Wenn man den geringen Anstiegswinkel  (Hangniveau) des Tals betrachtet, so wird das deutlich. Man hätte dann einen viele 100 m langen Wassergraben aus Holzausbau zimmern müssen, und dies wäre in der Erhaltung und auch Anschaffung viel zu kostenintensiv gewesen.  Aber auch das unterschlächtige Wasserrad reichte aus, um ein Pochwerk anzutreiben.
Im Jahre 1871 war Manganerz auf einmal ein sehr gefragter Rohstoff. Warum? Die Industrierevolution schwappte aus England nach Deutschland über, und die Metallurgen erkannten, dass man mit Mangan Stahl hervorragend legieren kann. Mangan macht den Stahl härter, widerstandsfähiger gegen äußere Einflüsse und immer noch geschmeidig genug, um gewissen Belastungen bei wohnen zu können. Es war damals wie heute, ohne Mangan keine Eisenbahnschienen. Und das Stahlwerk Maxhütte in Unterwellenborn hatte die Aufgabe die Eisenbahnschienenproduktion für den mitteldeutschen Raum mit zu bewältigen. Da war es natürlich günstig, dass das begehrte Erz so nahe vor den Haustür stand. Auch unsere Mühle lieferte zu der Zeit Manganerz dorthin.

Briefkopf zur damaligen Zeit

Auf Grund des dann extrem gestiegenen Bedarfs an Manganerz musste die Mühle erweitert werden, und es erfolgte der große Anbau, welcher im zentralen Teil auf dem oberen Bild zu sehen ist. Es wurde ein dreistufiger Mahlgang  eingebaut, um das Manganerz zu Manganmehl zu verarbeiten.  Die Antriebsmedien wurden ständig verbessert (Wasserrad, Dampfmaschine, Wasserturbine, Dieselmotor, Gasgenerator mit Gaserzeuger und zum Schluss Elektromotor.) Aber  es wurde so erweitert, dass immer zwei Antriebsmedien zur Verfügung standen, falls ein Antrieb mal aus fällt.
So arbeitete die Mühle mit zwischenzeitlichen Unterbrechungen bis 1949 mit heimisch gewonnenem Erz. 1949 waren die Erzvorräte erschöpft, und es wurde weitergearbeitet mit Erzen aus Marokko, Schweden und Russland (Nikopol)  bis 1977. Zwischenzeitlich, 1957 wurde die Mühle verstaatlicht und dem VEB Braunsteinwerk Schönebeck an der Elbe als Betriebsteil 3 zugeordnet. Von 1977-83 erfolgten nur noch technische Versuchszwecke in diesem Gebäude und 1983 war dann ganz Schluss.

Firmenpost aus den Anfangsjahren nach dem 2. Weltkrieg

1990 sollte die Mühle abgerissen werden, es regnete rein, die Fenster waren eingeschlagen, das Dach undicht und die Mühle bot einen grausigen Anblick. Aber der damalige Bürgermeister der Gemeinde Geraberg schrieb an den Prof. Wagenbreth an der Bergakademie Freiberg und bat ihn um ein Schutzwürdigkeitskonzept. Prof. Wagenbreth war schon 1983 einmal in der Mühle zu Gast und hatte damals schon den Wert der Mühle als Technisches Denkmal erkannt und somit kam er der Bitte sehr gerne nach. Die Mühle wurde unter Denkmalschutz gestellt und über ABM-Kräfte entkernt und saniert. Auf die Frage nach dem Warum des Erhaltens, kurze Antwort. Weil es die einzige Mühle von diesem Typ ist, welche in ganz Europa noch steht.
Danach wurde die Mühle nur noch zum Mühlentag (Pfingstmontag) und zum Denkmaltag (2. Septembersonntag) für Besucher geöffnet. Im Jahr 2005 wurde die museale Ausstellung dahingehend erweitert, dass ein neues Pochwerk und zwei Ausstellungsvitrinen mit dazugehörigen Schautafeln  erstellt wurden. Dem Besucher konnte nun die schwere Arbeit der Bergleute und auch die sehr gesundheitsgefährdende Arbeit der Mühlenarbeiter plastisch dargestellt werden. Dies geschah in Zusammenarbeit der Gemeinde Geraberg mit der Arbeitsgemeinschaft Manganerzbergbau Thüringen (AG Mangan). Die AG Mangan erklärte sich selbstverständlich bereit, zu den zwei geöffneten Tagen im Jahr die Mühlenführungen zu übernehmen.

neu gestaltete Ausstellungsfläche

und das neu erbaute Pochwerk

2007 wurde in Zusammenarbeit des Heimatvereins Geraberg (Geraberger Heimatfreunde e.V.) und der AG Mangan der Braunsteinweg in Angriff genommen und 2008 zum Mühlentag eröffnet. Nun können sich Besucher nach Besichtigen der Mühle entlang des Jüchnitztal an diversen Infopunkten ein Bild von dem ehemaligen Manganerzbergbau machen.

Anlaufpunkt entlang des Braunsteinweges

Mit der Errichtung des Mühlencafes im Jahre 2010 gelangte ein weiteres Kleinod in die Mühle, und ein wieder geregelter Besucherstrom ganzjährig  erfüllt nun die vorderen Räume der Mühle mit neuem Leben. Nun ist es möglich, bei Feierlichkeiten jeden Anlasses auch eine Mühlenführung mit zu buchen und somit über das bewegte Leben der Diemarschen Braunsteinmühle mehr zu erfahren. Die Führung wird von der AG Manganerzbergbau Thüringen sehr gerne durchgeführt.



Öffnungszeiten des Mühlencafe

November bis April: 11.00 bis 18.00 Uhr

Mai bis Oktober: ab 11.00 Uhr

Dienstag Ruhetag