Mangan – eine spannende Geschichte um Erze, Historie und Fundpunkte

kurze Einleitung:
Mangan und seine Mineralien waren schon in der Antike bekannt. Allerdings dort nur als „schwarze Steine“ bezeichnet, und wahrscheinlich zu den Eisenmineralien gestellt. Genau ist das kaum noch zu ergründen.  Kaum ein Element dieser Erde wurde so oft verkannt und falsch gedeutet, wie das Element Mangan.
Es gibt wahrscheinlich nur zwei Gruppen von Sammlern. Die einen, die  die Manganerze lieben.  Und die anderen,  für die Mangan nur schwarzes Zeug ist. Ich möchte hier einen Versuch starten, Manganliebhabern einen kurzen Überblick zu geben, und den anderen Sammlern diese Mineralgruppe etwas näher  bringen.

Geschichtliches:
Schon die alten Ägypter, Griechen und Römer nutzten die Erze des Mangans zum „Glasentfärben“.   Allerdings hatten sie zu damaliger Zeit noch keine Ahnung, dass es sich bei diesen „schwarzen Steinen“ als ein noch unbekanntes Element handelt. Sie hielten es wahrscheinlich für eine Art Eisenverbindung. Plinius schreibt von der Anwendung des Magnetes bei der Verfestigung des Glases und um die Farbe dessen heller zu machen. Da aber der Magnet kaum Glas heller machen kann, kann man davon ausgehen, dass hier wohl Braunstein unter den Eisenmineralien gezählt wurde. Diese Anwendung geriet aber wieder in Vergessenheit, und so schlummerte der Braunstein  weiter im Dunkeln.  Die Alchemisten im Mittelalter  nannten das daraus gewonnene Pulver Magnesia und die Steine aus dem dieses Pulver gewonnen wurde Magnesia nigra.  Eine andere Bezeichnung für Braunstein war zu damaliger Zeit unter anderem: lac maris coagularus, Magnesia Lydiae oder erstaunlicher Weise schon Italicum Stibium. Auch Pyrites Achaiae cuius Filia est mysterium quod in ipfa latitat, margarita pretiosa, Flammiger oder Splendor Vestis auro contexta sind Begriffe für Braunstein in damaliger Zeit. Auf Grund der Brennbarkeit des Manganpulvers hielt man es noch um 1280 als eine Art Schwefelverbindung. Andere hielten es für eine Art Wismut – Conterfeht Wißmat.  Herr Glauber hielt es zur damaligen Zeit als Magnesia saturnia und sie enthalte sehr viel Tinctur.  Auch Agricola nannte Magnes in Verbindung mit der Verfestigung des Glases, er muss also den Braunstein gemeint haben, denn er nennt in gleichem Zug auch die Eigenschaft, dem Glas eine weiße Farbe zu geben.  Cardan, der 1501 geboren wurde, nennt den Braunstein Terra fiderea und  bemerkt dazu, dass die Manganesische Erde das Glas rot färbe. Diese Information habe er in einem gewissen Manuskripte zu Venedig gelesen.  Auch stünde da zu lesen, dass das Glas damit sehr weiß und durchsichtig werde. Überhaupt ist es schon erstaunlich, dass Venedig und Glasentfärbung zu dieser Zeit mit Magnesia… immer in Verbindung gebracht wurde.  Hatten doch die Glasmacher in Venedig auf der Insel Murano die richtige Rezeptur für die Herstellung des sogenannten Kristallo – also farbloses Glas fest in ihren Händen. Sie beschafften sich das Geheimnis wahrscheinlich aus Byzanz, aber genau wird das wohl nicht mehr festzustellen sein.  Nur, das Geheimnis war unter Androhung der Todesstrafe verboten, weiter zu geben.  Aber die Alchemisten zur damaligen Zeit, Geologen gab es damals ja noch nicht, schreiben in ihren Büchern diese Verbindung immer wieder. 
Auch war Ende des 15. Jh. schon  die Wirkung des Braunsteins als braunes Glasurmittel in den Töpfereien bekannt, und man fände es in Deutschland und Italien. Italien möchte ich aber in diesem Zusammenhang verneinen wollen. Nicht umsonst haben die Glasmacher in Murano ihre Mönche, auch Venedigermandln oder Venezier oder  einfach nur Walen genannt, über die Alpen in unsere Mittelgebirge (Erzgebirge, Harz, Thüringer Wald) geschickt, auf der Suche nach den begehrten schwartzen Steinen, dem Magnesia Nigra und dem begehrten Kobolterz für die Herstellung der Smalte (blauer Farbstoff für die Glasfärbung). Siehe auch bei Wikipedia  "Walen"  meine Beiträge in der Diskussion dazu.
Im Jahre 1791 beschrieb dann erstmals in seiner Geschichte des Braunstein Georg Friedrich Christian Fuchs die Historie, aus welcher ich meine oben genannten Fakten bezog.  Aber auch er kennt noch nicht das Element Mangan. Aber er beschreibt schon verschiedene Ausbildungen der Magnesia und deren Vorkommen – meist immer in Deutschland. So beschreibt er z.B. weißes Braunsteinerz, strahligtes Braunsteinerz, rothen Braunstein, schuppicht glimmerichter Braunstein, Braunstein in Cylindern gewachsen (Manganit?), tropfsteinartiges, in Würfeln vorkommendes, faserigter Braunstein usw. Aber immer noch unter der Bezeichnung Magnesia ….
Erst 1774 erkannte Carl Wilhelm Scheele, dass in Braunstein ein unbekanntes Element stecken muss. Noch im gleichen Jahr stellte Johan Gottlieb Gahn Mangan durch Reduktion von Braunstein mit Kohlenstoff her. Als Name des neuen Elementes  wurde nach der lateinischen Bezeichnung für Braunstein manganesia nigra, Manganesium gewählt. Später dann aber wegen der Verwechselungsmöglichkeit mit Magnesium zu Manganium umbenannt. Das Element Mangan war entdeckt. Nun beschäftigten sich auch viele Mineralogen mit dem neuen Element und seinen Verbindungen, bis jetzt.
Schon 1817 beschrieb Herr Christoph Friedrich Jasche, Sondershausen in seinen „Kleine mineralogische Schriften vermischten Inhalts“ das Roth-Manganerz in der Gegend von Elbingerode (wohl Schävenholz)
1824 unterteilte Friedrich Mohs in seinem „Grund-Riß der Mineralogie“, Teil 2 Physiographie, Dresden die Manganerze in:
-    Pyramidales Manganerz (schwarzer Braunstein)
-    Unteilbares Manganerz (Schwarzeisenstein)
-    Prismatoidisches Manganerz (grauer Braunstein)
Erst 1825 fasste Carl Hartmann in seinem „Handwörterbuch der Mineralogie, Berg-, Hütten- und Salzwerkskunde“, Ilmenau die damals bekannten Manganerze zusammen. Er unterteilte sie in:
-    Mangan, allgemein
-    Mangan-Hyperoxyd = Graumangan (wohl Pyrolusit und Manganit)
-    Mangan-Hyperoxydul-Hydrat = Schwarzmangan
-    Mangan, kohlensauer = Rothmangan (Manganese carbonate)
-    Mangan, phosphorsauer = Eisenpecherz
-    Manganblende (Manganese sulfure)
-    Manganerz, Braunmangan (Manganspath)
-    Schwarzmanganerz = schwarzer Braunstein, Schwarzeisenstein, (wohl Braunit oder Hausmannit, aber auch nierige Hartmanganerze)
-    Manganschaum = Wad
-    Manganspat (wohl Rhodonit)

1826 beschrieb Wilhelm Haidinger in Zusammenarbeit mit Dr. Turner in „über die Kristallformen und Eigenschaften der Manganerze“, erschienen in Poggendorff`s „Annalen der Physik und Chemie“, Leipzig, Band 7, das erste Mal ausführlicher die Einteilung der Manganerze nach ihrer Kristallform:
-    prismatoidisches Manganerz  (wohl Manganit)
-    pyramidales Manganerz  (wohl Hausmannit)
-    unteilbares Manganerz  ( Glasköpfe und Hartmanganerz)
-    brachytypes Manganerz  (wohl Braunit) untersucht an Stufen aus Elgersburg, Wunsiedel, St. Marcel, Piemont.
1828 beschrieb Dr. Edward Turner in „Chemische Untersuchung der Manganoxyde (und einiger Manganerze) in „Archiv für die gesammte Naturlehre“, Kastner, Nürnberg die Analyseverfahren bei der von Haidinger beschriebenen Manganerze.  Unter dem Punkt „Analyse des Brachytypen Manganerzes, oder des Braunit“ wird mitgeteilt: das untersuchte Exemplar dieses Minerals war von Elgersburg. Die anderen Analyseproben der Erze waren von:
-    Manganit -  von einem sehr schönen kristallisieren Exemplare von Ihlefeld
-    Hausmannit – nicht benannt, nur von einer Probe, welches von Herrn Hofrath Stromeyer sei
-    Pyrolusit – von einer Probe von einer dicht säulenförmigen Abänderung aus Elgersburg
-    Psilomelan -  schon als gemischtes Mineral erkannt, an einem Stücke von Romanèche

Ebenfalls 1828 in „Annalen der Physik und Chemie“, Band 14, Poggendorff, Leipzig berichtet Wilhelm Haidinger in „Mineralogische Beschreibung der Manganerze“ folgendes:
-    prismatoidisches Manganerz – Manganit ( vorgeschlagener Name als Bezug auf das Metall), Ihlefeld am Harz
-    pyramidales Manganerz – Hausmannit ( vorgeschlagener Name Herrn Professor Hausmann zu Ehren), Ihlefeld am Harz
-    Unteilbares Manganerz – Psilomelan (vorgeschlagener Name aus dem griechischen in Bezug auf schwarzen Glaskopf, müsste aber richtigerweise Glatzkopf heißen), Schneeberg in Sachsen
-    brachytypes  Manganerz – Braunit ( vorgeschlagener Name zu Ehren des Herrn Kammerrath Braun zu Gotha), Oehrenstock, Elgersburg, Friedrichsroda und andere Orte in Thüringen
-    prismatisches Manganerz – Pyrolusit ( vorgeschlagener Name in Bezug auf seine Eigenschaft, große Mengen Sauerstoff frei zu setzten und das Glas so von seiner braunen und grünen Farbe zu befreien, aus dem griechischen), Ilmenau, Friedrichsroda, Reinwege, Elgersburg und andere Orte in Thüringen und andere Orte
Im gleichen Buch als Fortsetzung des Berichtes von Haidinger wird die von Turner oben erwähnte Analysebeschreibung der Manganerze als Zugabe etwas umgeschrieben und leicht verändert wiedergegeben.  Auch hier wurden die Analysen der Erze beschrieben und deren Stufenherkunft.
-    Manganit  –  sehr schön kristallisiertes Exemplar von Ihlefeld
-    Braunit  - das zerlegte Material war von einen Exemplar von Elgersburg entnommen
-    Hausmannit – Das Material zur Analyse wurde von einem Exemplar aus Ihlefeld entnommen, welches ich der Güte des Professors Strohmeyer verdanke
-    Pyrolusit – Analyse wurde mit einer dicht stängelichen Varietät von Elgersburg angestellt
-    Psilomelan – Analyse des Erzes von Romanèche
1829 wird der Bericht Turners im „Journal für Chemie und Physik in Verbindung mit mehreren Gelehrten“ von Dr. Fr. W. Schweigger – Seidel, Halle ausführlich wiedergegeben. Auch hier erfolgt die genaue Aufzählung der Erze und deren Analysen.
-    Manganit -  von einem schönen krystallisierten Exemplare von Ihlefeld
-    Braunit -  plötzlich keine Stufenangabe mehr !!!
-    Pyrolusit – von einer dichten stängelichen Abänderung von Elgersburg
-    Psilomelan -  keine Stufenangabe mehr, nur Quervermerk auf Romanèche
Im Anschluss an diesen Beitrag folgt ein Beitrag von Phillips und Turner über den Manganit und eine angeblich neue Verbindung des Mangans mit Sauerstoff, in dem eine neue Varietät von Manganerz aus Warwickshire, welches in seiner Zusammensetzung sehr dem Ihlefelder Manganit gleicht, beschrieben wird. Auch wird in diesem Bericht über die Analyse von  rothen schwefelsauren Mangan geschrieben.
Was war passiert????  Heute steht als Typlokalität von Braunit: Gottlob, Friedrichroda. Doch woher kamen die Analyseergebnisse? Von einem Stück aus Elgersburg. Hat uns hier jemand einen Streich gespielt? Wurden die Zettel vertauscht von Haidinger? Fakt ist jedenfalls:  das Analyseobjekt kam aus Elgersburg, und was sollte dann auch als Typlokalität stehen??? Elgersburg. Eine echt spannende Geschichte, welche sich heute wohl kaum noch aufklären lässt.


Fordsetzung folgt ....